 |

Wettbewerb
Mitte des Jahres 2006 wurde von der Sparkasse Berchtesgadener Land ein geladener Wettbewerb mit Architekten aus der Region und dem Bundesgebiet ausgelobt. Die auf mehrere Gebäude verstreuten 235 Mitarbeiter sollten in dem Bestandsgebäude Bahnhofstrasse 17 zusammengeführt werden. Die Sanierungsmassnahme, sowie behutsame Eingriffe und Ergänzungen sollten eine funktional, ökonomisch und ökologisch optimale Lösung für die Sparkasse schaffen. Besonderes Augenmerk lag dabei auf dem Umgang mit dem unzeitgemässen 70er-Jahre-Bau, der Nähe zur Altstadt sowie der direkten Nachbarschaft zu historischen Gebäuden.
Die Jury, zusammengesetzt aus Vertretern der Sparkasse, der Stadtverwaltung sowie unabhängigen Architekten, entschied sich einstimmig für die Arbeit der Architekten Bolwin und Wulf.
| |

Entwurf
Die Strategie des Entwurfes versteht sich als „Weiterbauen“ des Standortes, um ressourcenbewusste Kontinuität zu vermitteln und Vertrautheit mit dem Ortsbild zu erhalten. Daher sind die Eingriffe in die 70er-Jahre-Substanz gering, jedoch mit hohem Effekt.
Der ursprünglich vor die Fassade gehängte, Ein- und Ausblicke behindernde Sonnenschutz wurde entfernt, die tragenden Balkenköpfe freigelegt und mit grossen horizontalen Flächen belegt. Es ist ein einfacher Sonnenschutz entstanden bei maximaler Transparenz und Offenheit, ein gedeckter Aussenbereich für Fussgänger, und nicht zuletzt ein regionaltypisches Element, welches bereits an den Gesimsen der historischen Salinengebäude Anwendung fand. Das Haus besitzt jetzt ein grau-weisses Walmdach, das mit den umliegenden Bergen verschmilzt.
| |

Hauptstelle
Im Inneren wurde der für die Entstehungszeit typische Funktionsmix aus Bank, Geschäftsräumen, Wohnen, und die damit verbundene komplexe Erschliessung aufgegeben. Zwei Treppenhäuser an der Eingangsfassade konnten entfallen und haben Platz für gebäudehohe Wasser-Rieselwände im Sinne des bestehenden Gradierwerkes im Kurpark geschaffen. Diese sind nicht nur als ortstypische Attraktion zu sehen, sie transportieren auch Verdunstungskühle in die Büroebenen.
Sämtliche Etagen wurden von überflüssig gewordenen Einbauten befreit. Die Kundenhalle mit SB-Bereich im Erdgeschoss ist hell und übersichtlich, zwei eingeschnittene Innenhöfe bringen Licht und Jahreszeiten in das Gebäudeinnere. Die einfache Orientierung, insbesondere auch für die älteren Mitbürger, wird zusätzlich durch Farben und ein künstlerisches Leitsystem erreicht.
Moderne, verglaste „Kombibüros“ prägen die Arbeitsebenen. In den grosszügigen Mittelzonen befinden sich Besprechungsbereiche, Teeküchen und alle zentralen Funktionen, sodass die Voraussetzungen für ein hohes Mass an geplanter und zufälliger Kommunikation geschaffen sind.
| |

Panorama
Im Dachgeschoss mit teilbarem Saal und Terrasse wird bei Konferenzen, Besprechungen und Veranstaltungen aller Art das grandiose Bergpanorama zu geniessen sein.
| |

Farbkonzept
Salz hat die gesamte Region nachhaltig geprägt, ihm verdankt auch Bad Reichenhall seinen Aufstieg und heutigen Status. Durch das gesamte Gebäude zieht sich ein Farbenkanon aus drei verschiedenen Rosa-, und Violett- und Rottönen, welche auf das natürliche Farbspektrum des Salzes hinweisen. Die Farben finden sich in transparenten und opaken Glasflächen, Vorhängen und Effektlichtern, welche auch bei Nacht das Salz zum Thema des Hauses machen.
| |

Ökologie
Das Gebäude besitzt eine durch Grundwasser gestützte Energieversorgung. Der sogenannte „Saug-Schluck-Brunnen“ transportiert konstant etwa +9°C temperiertes Grundwasser in die technischen Anlagen des Hauses. Dieses vorkonditionierte Wasser wird im Sommer zur Kühlung verwendet, während es über Wärmepumpen im Winter die Heizung unterstützt. Danach wird das Grundwasser an anderer Stelle wieder zurückgeführt. Kühlung und Grundheizung erfolgen über ein in die Abhangdecken integriertes Kapillarsystem, kleine Heizkörper ermöglichen individuelle Zusatzheizung.
Der Gesamtenergiebedarf des Gebäudes reduziert sich durch den Umbau um 81%, die CO²-Emissionen um 295 Tonnen/Jahr.
| |

Schrift - Text - Orientierung
Für die Gestaltung des Leitsystems, der Schrift- und Textarbeiten für die Sparkasse Berchtesgadener Land werden Elemente der Sparkassen-CI verwendet. Die Bindung und lange Tradition der Sparkasse zur Region wird im Außenraum, an den Fassaden der beiden Häuser mit Textarbeiten veranschaulicht. Im Innenraum sind Texte zur Geschichte des Hauses mit zu Pigment vermahlenen Bad Reichenhaller Salzsteinen ausgeführt.
| |

|
Sparkasse Berchtesgadener Land Bad Reichenhall, 2006-2008

Daten & Beteiligte Erläuterungen


< zurück

|